Wenn es um das Bloggen geht, so sind mir in den letzten Jahren einige Mythen und Meinungen begegnet. Ein Teil dieser Mythen rund ums Bloggen kann weitreichende Folgen haben. Im Folgenden räume ich mit den meist gehörten oder gesehenen Mythen rund ums Bloggen auf.

Inhaltliche und strukturelle Mythen rund ums Bloggen

Mythos 1: Du kannst so schreiben wie für Printtexte

Das ist ein Mythos, der mir sehr oft begegnet – und nicht nur bei Anfängern. Es gibt sehr viele Blogs mit sogenannten Textwüsten, also mit Fließtexten, die nicht strukturiert sind. Allein der Anblick einer solchen Textwüste führt manchmal schon zum Verlassen einer Website.

Viele Leser:innen, die online unterwegs sein, „lesen“ nicht die Artikel, sondern scannen sie. Bei der Flut an Informationen, der wir heute im Internet begegnen, müssen wir oft sehr schnell entscheiden, ob wir einen Inhalt lesen, abspeichern oder wegklicken wollen.

Um den Leser:innen diese Entscheidung zu erleichtern, hat sich eine bestimmte Textstruktur bewährt, die darüber hinaus auch auf die SEO einzahlt. Dazu gehören neben einer aussagekräftigen Überschrift ein ansprechender Teasertext im ersten Absatz, der die wesentlichen Aspekte zusammenfasst.

Darüber hinaus sollte der Text sollte durch verschiedene Zwischenüberschriften, viele Absätze, Listen, Fettungen usw. strukturiert werden, an denen das Auge Halt findet. In den Zwischenüberschriften und im Fließtext sollten die Keywords enthalten sein. Am Ende des Textes kannst du noch ein Fazit anbieten und auf deine Angebote hinweisen. So erleichterst du den Besucher:innen das Lesen deiner Online-Texte.

In meinem Artikel „Fünf Gründe, einen Online-Redakteur zu buchen“ gehe ich noch tiefer auf das Thema ein.

Mythos 2: Lange verschachtelte Sätze zeugen von Kompetenz

Das Gegenteil ist der Fall. Wichtig ist es, möglichst kurze Sätze zu formulieren. Pro Satz sollte ein Gedanke ausgedrückt werden. In sehr komplexen Fachgebieten kommt man um eine verschachtelte Ausdrucksweise nicht immer herum. Auch hier sollest du versuchen, deine Sätze zu „entzerren“.

Plugins wie Yoast SEO oder Rank Math helfen dabei herauszufinden, wie es um die Lesbarkeit deiner Artikel bestellt ist. Man darf die Einschätzungen allerdings nicht überbewerten, da sie sich an der englischen Sprache orientieren. Es lohnt sich dennoch, den Text auf die Optimierungsvorschläge hin zu untersuchen und gegebenenfalls anzupassen.

Mythos 3: Je mehr Fachwörter, desto beeindruckter sind deine Kunden

Wer möchte nicht als Expert:in seines/ihres Faches gelten? Um als Expert:in von seinen Kund:innen anerkannt zu werden, braucht man kein Fachchinesisch. Orientiere den Stil und die Wahl von Fachwörtern am Kenntnisstand deiner Zielgruppe.

Du schreibst für eine akademische Leserschaft, die sich mit deinen Fachbegriffen auskennt? Kein Problem, du solltest auf jeden Fall Fachwörter verwenden und neue Fachbegriffe erläutern.

Wenn du für eine Leserschaft schreibst, die keine Experten auf deinem Gebiet sind, gilt: Je weniger unverständliche Fachwörter du verwendest, desto besser verstehen deine Kunden deine Texte und kommen gerne wieder zurück auf deinen Blog.

Mythos 4: Du brauchst keine Kategorien

Wenn du ganz frisch mit einem Blog startest, brauchst du nicht unbedingt Kategorien. Beim Aufbau eines Unternehmensblogs oder Corporate Blogs hingegen empfehle ich, bereits vor dem Aufbau des Blogs über Kategorien nachzudenken.

Die Kategorien unterteilen deine Blogartikel in Themenbereiche. Wähle am besten drei bis fünf und maximal sieben Kategorien. Alles darüber verwirrt die Leser:innen und wird unübersichtlich. Bei den Kategorien sollte es sich um Oberbegriffe handeln, nicht aber um generische Begriffe wie zum Beispiel „Tipps“.

Auf diese Weise schaffst du eine inhaltliche Struktur, die von Google erfasst werden kann. Damit trägst du zu einer sinnvollen SEO bei. Darüber hinaus kannst du die Kategorien auch als Sitemap an die Google Search Console weitergeben.

Daneben wirkt sich eine sinnvolle Kategorienstruktur positiv auf die Benutzerführung aus. Die Leser:innen müssen sich nicht durch eine Liste an Artikeln klicken, bis sie zu einem Artikel zu einem bestimmten Oberbegriff kommen, sondern können gezielt den Oberbegriff aussuchen und sich in dem angezeigten Themenbereich umschauen.

Mythos 5: Je kürzer die Texte, desto besser

Es gibt keine Faustregel, wie viele Wörter ein Blogartikel haben sollte, aber es gibt Empfehlungen. Ein Blogartikel ist keine Produktbeschreibung, die mit wenigen Sätzen auskommt. Blogbeiträge sollten immer so lang sein, wie das Thema es hergibt. Optimal ist eine Mindestlänge von circa 500 Wörtern pro Blogartikel. Allerdings ist es kontraproduktiv, wenn du in Wiederholungen verfällst oder den Text künstlich aufblähst mit Adjektiven und Füllwörtern. Dies wird nicht nur Google, sondern auch den Leser:innen unangenehm auffallen.

Mythos 6: Jeder Blogartikel sollte mindestens 3.000 Wörter enthalten

Nein, nicht jeder Blogartikel sollte eine Länge von 3.000 Wörter haben. Das hat verschiedene Gründe. Die meisten Leser:innen haben nicht die Zeit, regelmäßig Blogartikel in dieser Länge zu konsumieren. Um die Leserschaft dauerhaft zu binden, bieten sich kürzere Blogartikel an.

Besonders lange Blogartikel haben allerdings eine Signalwirkung auf die Crawler von Google. Mit sehr langen Beiträgen, die einen Mehrwert bieten, kannst du deine Expertise zeigen und deine Mitbewerber:innen ausstechen. Auch hier solltest du vermeiden, einen Artikel künstlich aufzublähen, um auf eine hohe Wortanzahl zu kommen.

Darüber hinaus kannst du mit Plugins wie Yoast SEO oder Rank Math festlegen, ob ein Blogartikel zum Pillar Content deiner Website oder deines Blogs gehört. Das sind Inhalte, die zu den Hauptinhalten deiner Website gehören.

Die Skyscrapter Technique oder Wolkenkratzertechnik

Bei besonders langen Blogartikeln spricht man auch von der Skyscraper Technique oder der Wolkenkratzertechnik. Diese Technik eignet sich für Keywords, die für deinen Blog oder deine Website besonders relevant sind. Du kannst mit einem solchen Blogartikel in deinem Fachgebiet hervorstechen. Was du dafür alles beachten solltest, hat SEO-Küche im Beitrag „Skyscraper Technique oder Wolkenkratzer-Technik“ sehr schön und verständlich beschrieben.

Wenn du ein oder zwei Blogartikel in dieser Art verfasst, kannst du sehr viel für die Reichweite deines Blogs tun. Dies ist nicht die einzige Methode, um Reichweite zu gewinnen. Wer erst am Anfang steht, was den Blog betrifft, sollte nicht gleich mit einem solch langen Artikel starten, es sei denn, es liegt aus anderen Bereichen Erfahrung mit dem Thema und dem Schreiben vor.

Wenn du mit deinem Blog startest, ist es zu Anfang sinnvoller, wöchentlich Blogartikel von circa 600 Wörtern zu veröffentlichen, um möglichst häufig Signale an Google zu senden. Nach einiger Zeit kann man die Frequenz verringern und sich auf eine Frequenz einpendeln, die alltagstauglich ist.

Mythos 7: Du darfst nichts Persönliches preisgeben

Es ist ganz allein deine Entscheidung, in welchem Stil du schreibst und was du von dir als Person preisgibst. Aber es hat sich insbesondere bei trockenen Themen bewährt, ein wenig Storytelling zu betreiben. Mit persönlichen Geschichten und Anekdoten versehen oder auch mit ein wenig Witz kannst du trockenen Inhalten Leben einhauchen und erreichen, dass sie nicht nur leichter verständlich sind, sondern auch gerne gelesen werden.

Wenn du von deinen Erfahrungen erzählst, können deine Leser:innen leichter eine Verbindung zum Inhalt und zu dir als Person aufbauen. Dadurch schaffst du Vertrauen. Zum Beispiel kannst du berichten, welche Probleme du selbst mit einer gewissen Sache gehabt hast, wie zum Beispiel dem Erstellen einer Website. Wenn du daraufhin in deinem Blogartikel eine Lösung anbietest, wird das Thema für die Leser:innen leichter nachvollziehbar.

Dennoch gibt es Momente, in denen wir abwägen sollten, wie viel wir von uns preisgeben wollen. Es gibt das geflügelte Wort: „Nicht privat, aber persönlich schreiben.“ Wäge für dich ab, wo dein privater Bereich beginnt, den du der Außenwelt vorenthältst. Gib trotzdem einige persönliche Dinge preis, die zu deinem Content passen. Kreiere eine Blogpersönlichkeit, die du mit einigen Merkmalen persönlicher Natur ausstattest. Indem du diese Merkmale immer wieder in deinen Außenauftritt einfließen lässt, schaffst du einen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig wirst du als Person greifbarer und nahbarer.

Mythos 8: Bloggen ist so was von gestern

Vor zwei Tagen hat Facebook die Konten, also Seiten, das Profil und der Business Manager einer Online-Unternehmerin – ich nenne sie hier Diana – bei Facebook und bei Instagram, die sich für das Bloggen stark macht, gelöscht. Einfach so, ohne Ankündigung.

Nicht nur das. Diana hatte eine florierende Facebookgruppe und sie hatte ihr Marketing zum großen Teil auf diese beiden Kanäle konzentriert. Kurz vor dem Launch einer jährlichen Blogparade wurden damit nicht nur die Profile, Seiten und Werbekonten gesperrt, sondern auch die Austauschmöglichkeiten mit ihrer sehr großen Community verwehrt. Zudem, und das empfinde ich als besonders tückisch, wurden die Profile und Konten all ihrer neun Mitarbeiter:innen ebenfalls ausradiert.

Das ist ein krasses Beispiel, das in ähnlicher Form immer häufiger in bestimmten sozialen Netzwerken zu beobachten ist. Wenn du dein Marketing allein auf Social-Media-Kanäle oder Streamingdienste stützt, kann dir eines Tages alles weggenommen werden. Ein Blog hingegen gehört dir allein. Du kannst dort nicht nur deine Expertise zeigen, sondern auch deine Meinung äußern, ohne dass dir jemand die Rechte entziehen kann.

Mit verschiedenen Maßnahmen erzielst du mit deinem Blog langsam aber stetig Reichweite und ziehst genau die Kunden an, die zu dir passen. Deine Artikel werden auch nach Jahren noch gelesen und verschwinden nicht nach Sekunden in den Tiefen deines Feeds.

Vor diesem Hintergrund ist Bloggen ein zeitloses Medium, das immer noch – oder sollte ich sagen: mehr denn je? – seine Berechtigung hat, wenn es um den Aufbau von Reichweite und Expertise geht. Mehr dazu kannst du in meinem Artikel „12 Gründe für den Start eines Blogs“ nachlesen.

Rechtliche Mythen rund ums Bloggen

Da ich keine Rechtsanwältin bin, darf ich hier keine rechtliche Beratung anbieten. Im folgenden gebe ich lediglich ein paar Hinweise, die man beachten sollte, wenn man eine Website oder Blog betreibt. Es handelt sich hier um die minimalen Anforderungen an Blog- oder Websitebetreiber:innen, die, wenn sie nicht beachtet werden, zu Abmahnungen führen können. Wenn du dich zu 100 Prozent absichern möchtest, empfehle ich dir, deine Website von einem/einer Rechtsanwält:in überprüfen zu lassen.

Mythos 9: Du brauchst kein Impressum

Egal ob du als Influencer:in, DIYler:in, Freelancer:in, Unternehmer:in, Solopreneur:in oder Künstler:in bloggst, du brauchst in der Regel ein Impressum. Der Anwalt Dr. jur. Ronald Kandelhaard sagst dazu, dass du gemäß „§ 5 Abs. 1 TMG ein Impressum [brauchst…], wenn Du als „Diensteanbeiter“ Deine Website „in der Regel gegen Entgelt“ anbietest und wenn sie „geschäftsmäßig“ ist.“

Was ist ein Diensteanbieter? Du bist bereits Diensteanbieter, wenn du unentgeltlich für etwas wirbst, ohne dass die Besucher:innen etwas bestellen können. Vielleicht sprichst du eine Empfehlung aus für ein Produkt und schwupp kann es als Werbung ausgelegt werden. Als kommerzieller Anbieter oder wenn man die Website/den Blog aus beruflichen Gründen nutzt, braucht man in jedem Fall ein Impressum. Rein private Anbieter und manche gemeinnützigen Vereine sind von der Impressumspflicht ausgenommen.

Mythos 10: Du brauchst keine Datenschutzerklärung

Das gleiche gilt für die Datenschutzerklärung. Wenn du einen Blog betreibst, solltest du eine Datenschutzerklärung haben. In der Datenschutzerklärung werden alle Punkte rund um die Daten geklärt und abgesichert, die deinen Webauftritt betreffen: die Auswahl der Cookies, Newsletteranbieter, Auftritt in den sozialen Medien, das Content Management System, Google Analytics, Google Fonts und vieles mehr. Mit einer Datenschutzerklärung sicherst du dich ab und legst den Besucher:innen auf transparente Weise dar, welche Daten auf deiner Website erhoben werden.

Solltest du Hilfe benötigen bei der Erstellung deiner Rechtstexte wie dem Impressum und der Datenschutzerklärung, unterstütze ich dich gerne, gegebenenfalls auch mit dem DSGVO-Plugin.

Mythos 11: Du kannst Google Fonts ohne Einschränkung nutzen

Nein, leider nicht. Seit kurzem ist es in aller Munde, dass die Verwendung der kostenlosen Google Fonts ihre Tücken hat. Mit verschiedenen Plugins lässt sich das Problem lösen, indem die Fonts lokal gehostet werden. Manche Themes ermöglichen es, die gewählten Google Fonts lokal zu hosten, ohne dass du ein zusätzliches Plugin benötigst. Tricky wird es, wenn du die Fonts lokal hostest, aber eines deiner Plugins noch mit Google Fonts arbeitet. Hier hilft meist das Plugin OMGF.

Mythos 12: Du brauchst keinen aktuellen Cookie Banner

Das Thema Cookie Banner ist eine Geschichte für sich. Auf sehr vielen Websites befinden sich noch Cookie Banner, die schon lange nicht mehr den aktuellen rechtlichen Bestimmungen entsprechen. Die in der Datenschutzerklärung benannten Dienste und verwendeten Cookies sollten in der Regel abwählbar sein, was oft nicht der Fall ist.

Das bedeutet, sobald du YouTube, Google Maps, ein Terminbuchungstool wie Calendly oder Acuity Scheduling, eine Newsletteranbindung und andere Dienste verwendest, brauchst du einen leistungsfähigen und rechtssicheren Cookie Banner. Ich empfehle hier Real Cookie Banner von devowl.io, den ich auch selbst auf meiner Website verwende. Das Plugin verfügt über einen Scanner, der von allein die Dienste erkennt, die relevant sind.

Mythos 13: Du kannst Bilder jeglicher Herkunft verwenden

Nein, auf keinen Fall. Erkundige dich vorher, ob es Urheberrechtsbestimmungen gibt, bevor du ein Foto verwendest. Es gibt einige kostenlose Bilddatenbanken, wie zum Beispiel Pexels und Unsplash, deren Bilder du frei verwenden kannst. Lies vorher aber unbedingt die Lizenzvereinbarung.

Speichere dir das Bild mit Datum, Namen des Fotografen und Namen der Bilddatenbank ab. Erwähne die Fotograf:innen in deinem Impressum oder in der Nähe des Bildes auf deiner Website. In deinem Blog solltest du eine Bildunterschrift oder im oder unter dem Beitrag einen Hinweis auf die Fotograf:innen einbauen.

Halte dich auch bezüglich neuer gesetzlicher Vorschriften auf dem Laufenden. Dies betrifft auch das Impressum und die Datenschutzerklärung, die beide regelmäßig aktualisiert werden sollten. So kannst du kostspielige Abmahnungen umgehen.

Technische Mythen rund ums Bloggen

Mythos 14: Halte dich sklavisch an die Vorgaben deines SEO Plugins

Die Vorschläge und Vorgaben deines SEO Plugins, wie zum Beispiel Yoast SEO oder Rank Math, solltest du immer als Empfehlungen betrachten. Bestes Beispiel ist die Keyword-Dichte. Google achtet inzwischen nicht nur auf bestimmte Begriffe und festgelegte Satzphrasen, sondern die Crawler scannen die Texte nach Wortfeldern. Du darfst und solltest also auch Synonyme und leicht veränderte Keyword-Phrasen verwenden.

Die Plugins erkennen die Synonyme allerdings nicht an, sondern lediglich den exakten Wortlaut des Keywords oder der Keyword Phrase, die du eingegeben hast. Wenn du an dieser Stelle liest: „Keyword Density is 0.23 which is low,…“, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass du an deinem Text noch etwas ändern musst.

Ein weiteres Beispiel sind die Hinweise zur Lesbarkeit und zum Titel. Diese Hinweise sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Es reicht am Ende aus, wenn die Ampel nicht mehr rot ist, sondern die Farbe orange anzeigt. Es müssen nicht alle Aspekte die Farbe grün aufweisen.

Fazit

Es ranken sich viele Mythen rund ums Bloggen und ich hoffe, dass ich hier mit einigen aufräumen konnte. Die Mythen beziehen sich nicht nur auf die Texterstellung, sondern auch auf rechtliche und technische Themen. Wenn du meine Tipps berücksichtigst, hast du sehr viel für deinen Blog getan. Gerne unterstütze ich dich bei den rechtlichen und technischen Themen sowie beim Blogaufbau.

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